Klartext

Es ist für viele Bürger Weingartens ein Traum, ihren Lebensabend in der Mitte Weingartens zu verbringen. Und dieser Traum kann Wirklichkeit werden, da dies von allen Weingartnern gut geheißen wird.

Mit dem im letzten Jahr vorgestellten Konzept rückte dieser Traum in den Bereich der realen Welt. Es klang wirklich zu schön um wahr zu sein.
Ein Bauträger versprach der Gemeinde zwei Probleme gleichzeitig abzunehmen: das kontaminierte Gelände der stillgelegten Lackfabrik zu sanieren und dann darauf ein Alten- und Pflegeheim sowie ein barriere-freies und betreutes Wohnen zu ermöglichen.
Es wurden konkrete Pläne vorgelegt, die sowohl die Maßnahmen der Entsorgung erkennen ließen als auch das Konzept der verschiedenen Wohnmöglichkeiten.
Sehr zügig erarbeitete danach die Gemeindeverwaltung einen vorhaben-bezogenen Bebauungsplan, der exakt die Pläne und Vorgaben des Bauträgers beinhaltete.
Es schien sich eine Erfolgsgeschichte anzubahnen, die aber dann abrupt endete. Denn als der Bauträger feststellte, daß die Gemeinde begeistert von diesem Konzept war, trieb er nach und nach seine Bedingungen und Forderungen in die Höhe. Begründung: die Kosten wären zu hoch. Und zum Schluß dann die ganz große Daumenschraube: wenn so nicht gebaut werden kann, dann wird dieses Projekt nicht realisiert.

Wenn man sich als Bürgermeister sehr eng an einem Bauträger anlehnt, dann kann man leicht in „Schräglage“ kommen. Es gibt dann nur noch einen Weg:  das Projekt muß gebaut werden- und zwar so, wie es der Bauträger will. Dazu passt die Aussage des Bürgermeisters vom 7.4.2015. Zitat: „..dieses Projekt wird so gebaut, und zwar mit der Firma Hoepfner…“. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Die ganz wichtigen Fragen, die noch nicht beantwortet sind:
Was macht der Gemeinderat? Läßt er sich auf dieses „Alles oder Nichts“ ein?
Wie viel sind ihm seine Bürger wert, die ihn gewählt haben?

Eine Wohnstatt mitten im Dorf ist gut für unsere älteren Bürger und ist gut für Weingarten. Auch die Anlieger befürworten dieses Vorhaben.

Seit mehr als einem Jahr hörte man nun in Weingarten, daß ein Investor gefunden wurde, der das Gelände einer seit vielen Jahren stillgelegten Lackfabrik mitten in Weingarten bebauen möchte.
Ziel sei, ein Pflegeheim mit betreutem Wohnen sowie barrierefreie Wohnungen zu
erstellen. Der Projektname war naheliegend: „mitten drin leben“. Wir alle in
Weingarten fanden dies eine ausgezeichnete Idee. Bei der Vorstellung des Projekts durch Bürgermeister und Bauträger am 7.7.2014 wurde betont, daß das gesamte Areal entgiftet werden würde. Notfalls wollte man das Erdreich auch 6 m Meter tief abgraben. Dies wäre ohnehin erforderlich, da man eine Tiefgarage unter dem Pflegeheim errichten würde. Entsprechende Pläne wurden gezeigt. Einziger Wermutstropfen für die Anwohner war, daß der Bauträger mit rund 2000 Lastwagenladungen kontaminiertem Erdreich rechnete, das durch das Dorf gefahren werden müßte. Viele Bewohner waren zwar nicht sehr erfreut, akzeptierten aber die temporäre Belastung. Alles klang so logisch.
Mitte Januar 2015 erfolgte dann die 1. Offenlegung des Erschließungs- und Vorhabenplan. Nach Einsprüchen wegen nicht kompletter Unterlagen erfolgte dann im Februar die 2. Offenlegung. Nur sehr wenige Bürger nutzten (leider) die Möglichkeit dieses umfangreiche Papier zu lesen.
Anfang April 2015 fand die Anhörung der an das Areal angrenzenden Bewohner statt. Bei der Vorstellung der Baupläne kam die Ernüchterung. Von einer Tiefgarage unter dem Pflegeheim war nicht mehr die Rede. Es soll vielmehr daneben liegendes Grünland herangezogen werden um Platz für Parkplätze zu erhalten. Konkrete Nachfragen, was dann mit dem Gelände passiert, wie das kontaminierte Gelände gereinigt und entsorgt werden soll sowie Bedenken wegen der Gefährdung des Grundwassers  wurden abgewiesen.  Forderung einer Umweltprüfung wurde grundsätzlich ablehnt. Man beruft sich dabei auf den §13(a) BauGB  (Baugesetzbuch), der ein beschleunigtes Verfahren erlaubt!
Die Begründung, keine Tiefgarage zu bauen, war ganz einfach: es wäre zu teuer!
Wie blauäugig kann ein Bauträger nur sein, wenn er ein bekanntermaßen kontaminiertes Baugrundstück erwirbt?
Statt dessen wird wertvolles Grünland, das die Entlüftung des Ortskerns und damit die Lebensqualität verbessert, auf Kosten von ein paar Parkplätzen vernichtet.
Da diese Anhörung nur für die Anwohner stattfand sind immer noch viele Weingartner der Meinung, daß die Tiefgarage unter dem Pflegeheim gebaut und dabei das kontaminierte Erdreich abgetragen wird. Leider muss man denen sagen: ist nicht mehr so vorgesehen!

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